Finum Logo light
 vor 3 Monaten

„Es gibt weder einen ethischen noch einen unethischen Finanzmarkt“ – Interview mit Georg Greutter

Georg Greutter ist Gründer und Geschäftsführer der Kostenberatungsfirma FAIRMONEY sowie Vorstand des Österreichischen Netzwerks Wirtschaftsethik. Mit FiNUM sprach er über Ethik in der Finanzberatung und warum gemeinsame Werte wichtig fürs Wirtschaften sind.

Was ist das Österreichische Netzwerk Wirtschaftsethik (OeNWE), und warum braucht es so etwas?

Wir sind ein Netzwerk aus Unternehmern. Wir sind ein österreichischer Verein sowie Teil des Europäischen Netzwerks für Wirtschaftsethik. Das Netzwerk ist aus dem Spannungsfeld entstanden, dass es einerseits Betriebswirtschaft oder Volkswirtschaft als Disziplin gibt, und andererseits Soziologie, Moraltheologie, Philosophie und Ethik. Irgendwann hat man festgestellt, dass man nicht gut wirtschaften kann, wenn man sich nicht auf ein paar Werte einigt. Es muss also auch eine Wirtschaftsethik geben. Die Netzwerke in anderen Ländern sind aus den Universitäten heraus entstanden. In Österreich haben wir uns als Unternehmernetzwerk entwickelt und möchten es auch bleiben. In Deutschland etwa besteht das Netzwerk vor allem aus Universitätsprofessoren und Führungskräften von Konzernen. Unsere Interpretation ist aber, dass die unternehmerische Ethik vom Inhaber ausgeht und nicht von einem angestellten Geschäftsführer oder einem politischen Funktionär, und auch nicht von einem Wirtschaftsprofessor. Der Nukleus der Wirtschaftsethik ist die Unternehmerpersönlichkeit.

Ethisches Wirtschaften kann auf sehr unterschiedliche Weise interpretiert werden. Welche Auffassung davon hat das OeNWE?

Wir sind nicht die Inhaber einer Ethik. Sich selbst als Richter über ethisch und unethisch zu positionieren halten wir für unangemessen. Wenn das Ganze funktionieren soll, kann man nur die verschiedenen Wertekonzepte immer wieder miteinander diskutieren und sich aus dem Diskurs eine ethische Haltung aneignen. So ist auch unser Buch „Die Unternehmerethik“ entstanden: Wir haben einen Text geschrieben, an 200 Unternehmer geschickt, deren Anmerkungen verarbeitet und diesen Vorgang wiederholt. Und das macht unser Netzwerk seit acht Jahren. Wir laden immer wieder zu Diskussionen ein, bringen Vortragende zusammen, verschicken Stellungnahmen und Kommentare zu politischen Ideen, damit die Diskussion zu Werten in der Wirtschaft aufrecht bleibt.

Gibt es Punkte, wo sich alle einig sind?

Wir haben uns nach langer Diskussion auf fünf einfache Regeln für das OeNWE geeinigt. Erstens, ich nehme keinen Auftrag an, den ich nicht kann – ich bin authentisch in meiner Kompetenz. Zweitens, ich stehle kein geistiges Eigentum. Das klingt so trivial, aber das passiert jeden Tag. Das dritte ist, ich stelle schon bei der Beauftragung von jemandem sicher, dass ich die Leistung bezahlen kann. Und wenn jemand eine korrekte Rechnung stellt, zahle ich sie auch pünktlich. Ganz wichtig: Unsere Interpretation von einem guten Geschäft ist, dass es nicht nur für mich gut ist, sondern für meinen Geschäftspartner auch. Es muss Verantwortung gegenüber allen Betroffenen geben. Das steht im Gegensatz zur amerikanischen Wirtschaftsethik und dem Konzept von Shareholder-Value, der Idee, dass alle ihren Vorteil optimieren und dann geht es allen gut – das glauben wir nicht. Und der fünfte Grundsatz ist eine leistungsgerechte Entlohnung.

Wie schwierig ist es, diese Grundsätze in der Realität umzusetzen? Gerade z.B. die fristgerechte Bezahlung von Rechnungen ist ja keine Selbstverständlichkeit.

Ich sage schon beim Kennenlernen, dass mir das wichtig ist. Ich liefere Leistung pünktlich, ich bezahle meine Mitarbeiter – und möchte auch pünktlich bezahlt werden. Das Leben wäre so viel einfacher, wenn alle das machen würden. Viele Aktiengesellschaften glauben ja, es ist besonders intelligent, das Geld drei Monate zurückzuhalten. Das nennt sich Liquiditätsplanung oder Cash Management, das wird auch an der Uni gelehrt. Dabei weiß jeder, dass der größte Sargnagel im Unternehmersein Geld eintreiben ist. Ich bin draufgekommen, ich muss das durchbrechen.

Wie werden Sie Ihrem Ethikanspruch in Ihrem eigenen Unternehmen gerecht?

Ich kann nicht in die Menschen hineinschauen, die mich umgeben. Was ich schon sicherstellen kann, ist zu versuchen – auch wenn’s keiner sieht – selbst ehrlich zu bleiben. Und mit den Mitarbeitern gibt es nur die Möglichkeit, so viel wie möglich über Werte zu diskutieren. Was machen wir, was machen wir nicht? Konkrete Geschäftsfälle zu nehmen, von deren Ablauf wir nicht überzeugt sind, und zu sagen, das machen wir nicht mehr. Man muss immer wieder aufs Neue miteinander erarbeiten, was gut und was böse ist in der Wirtschaft.

Gibt es denn ein objektives Gut und Böse in der Wirtschaft? Oder prallen hier nur unterschiedliche Ethik-Auffassungen aufeinander?

Ich glaube, dass es verschiedene Gruppen in unserer Gesellschaft gibt, die ihre Ethik nicht mehr artikulieren können. Eine immer dünner werdende Schicht meint zu wissen, was richtig und was falsch ist. Und andere haben gar nicht mehr die Zeit, darüber nachzudenken oder etwas zu sagen, unter anderem auch die Unternehmer. Also prallen da nicht die Ethiken aufeinander, sondern manche haben die Möglichkeit, ihre Meinung dazu zu sagen, und manche nicht. Und es gibt schon wirklich arme Leute, für die der Alltag hammerhart ist. Angestellte im Handel auf unterstem Niveau – also 1000 Euro Gehalt, das ist kein Geschenk. Oder Fahrer bei Uber. Oder eine alleinerziehende Mutter – die hat die Zeit zum Diskutieren nicht! Und der hört auch keiner zu. Es wäre aber wichtig, alle Gruppen einzubeziehen. Beim OeNWE haben wir immer wieder Vertreter und Vertreterinnen von Gewerkschaften oder Religionsgemeinschaften zu Gast. Wir hatten auch schon jemand Obdachlosen am Podium, oder einen Flüchtling. Wirtschaftsethik kann nämlich nicht nur eine Diskussion der Eliten sein, wo ein paar „Oberwichtige“ entscheiden, was ethisch ist, und dann gemeinsam Champagner trinken. Wirtschaftsethik geht alle etwas an. Und z.B. die Armutsentwicklung in der Gesellschaft im Moment kann ich nicht als ethisch erstrebenswert erkennen. Als Wirtschaftstreibender muss ich mich damit auseinandersetzen, muss die Augen offenhalten und wissen, wie das Geld „da draußen“ läuft.

Gab es früher eine Wirtschaftsmoral, die es jetzt vielleicht nicht mehr gibt?

Eine Unternehmermoral gibt es glaube ich immer! Ich rede jetzt aber bewusst nicht von einer Managermoral oder von Großkonzernen. Unternehmermoral gab es schon immer – das bekannteste Beispiel ist vielleicht die hanseatische Kaufmannsehre, wo sich ein Werteverständnis über die Welt verbreitet hat. Auch heute gibt es so etwas wie Unternehmerehre – jeder, der selbstständig ist, der selber Unternehmer ist, weiß, wovon ich rede. Wenn Sie heute als Unternehmer pleitegehen, sind Sie wirklich pleite. Sie sind mit Ihrem Namen das Produkt. Als Funktionär, Konzernvorsitzender oder auch als Politiker sind Sie austauschbar. Wenn Sie Mist gebaut haben, sind Sie nach ein paar Jahren weg und Ihre Nachfolger müssen es ausbaden. Aber vor Ihrem Namen können Sie nicht davonlaufen. Es ist glaube ich eine Frage von Verantwortung – die ist bei anonymen Konstrukten wie Aktiengesellschaften natürlich leichter zu umgehen.

Das Fehlen von Verantwortung in der Finanzbranche wird seit der Finanz- und Wirtschaftskrise vermehrt kritisiert. Berufsvertreter gelten als Spekulanten, die nur auf schnelle Gewinne aus sind. Glauben Sie, dass es in diesem Wirtschaftszweig generell unethischer zugeht als in anderen?

Nein. Ich habe jetzt Einblick in ein paar Branchen bekommen … Überall arbeiten Menschen, und ich könnte Ihnen aus jeder Branche irgendwelche „Schweinereien“ erzählen. Aber auch aus jeder Branche Dinge sagen, die aus meiner Sicht super laufen. Es gibt überall Licht und Schatten. Als es einen Weinskandal gab, galten alle Weinhändler als Verbrecher. Jetzt sind alle Finanzleute Verbrecher. Ich bin mir sicher, es wird demnächst einen Gesundheits-Skandal geben in Österreich, da werden alle Ärzte als Verbrecher dastehen. Das ist der Zyklus der Menschheit: Etwas funktioniert, dann entstehen Schweinereien, es gibt einen Skandal, und dann richtet sich das wieder ein. Jede Branche erwischt’s einmal. Ich finde unfair, dass man Finanzberatern den schlechten Ruf der Branche anlastet anstatt den Verursachern. Gerade in der Finanzkrise sind viele Berater über die Klinge gesprungen oder kamen vor Gericht, viele Beratungsfirmen haben all ihr Geld verloren. Die, die im Hintergrund das Geld verzockt haben, konnten sich hinter ihren Anwälten verstecken. Das finde ich nicht gerecht.

Da wir schon von Finanzberatern sprechen – was macht Sie zum FiNUM.Friend?

FiNUM-Gründer Ali Eralp und ich haben oft miteinander gearbeitet. Ich glaube, wir haben ein ähnliches Werteverständnis. Soweit ich das beurteilen kann, ist FiNUM keine geldgierige Keilertruppe, die mit einem guten Schmäh hohe Provisionen verdienen will. Sondern sie möchten das Vertrauen der Kunden gewinnen und diese dann ein Leben lang begleiten – das finde ich einen guten Ansatz. Viele Sachen, die ich bei der Finanzbranche nicht so spannend finde – eine hohe Fluktuation, verkaufen mit Hochdruck –, sind bei der FiNUM anders gelöst. Natürlich sind das auch keine Heiligen, auch sie wollen erfolgreich sein und Geld verdienen. Aber von der gesamten Branche, soweit ich das verstehen kann, gehört die FiNUM zu denen, die es am ehrlichsten mit den Kunden meinen.

Was macht denn gute oder ethische Finanzberatung aus?

Transparenz, Transparenz, Transparenz. Und zwar in zweierlei Hinsicht: erstens Transparenz, was das Produkt angeht – was ich weiß über das Produkt, sollte ich sagen, die Stärken und die Schwächen. Und wenn ich etwas nicht weiß, sollte ich das auch sagen. Ich sollte mich nicht als Fondsmanager darstellen, wenn ich keinen Einfluss auf den Fonds habe. Und zweitens Transparenz im Beratungsvorgang. Generell gilt bei jeglicher Form der Beratung: Sie sollen sich auskennen und selber entscheiden können.

Finden Sie Provisionen in der Finanzberatung in Ordnung, solange sie nicht geheim passieren?

Persönlich bin ich ein Gegner von Provisionen. Wenn die Provision transparent gemacht wird, ist es noch vertretbar – ein Vertriebskostenanteil im Produkt, den es bei jedem Supermarktartikel gibt, heißt hier eben Provision. Lieber ist mir, und ehrlicher finde ich, ein Honorar für Beratung zu verlangen. Entweder als Fixum für die Beratungszeit oder als Anteil am Erfolg. Das ist aber auch schwieriger gegenüber dem Kunden zu argumentieren. In Österreich ist das nicht weit verbreitet, und die Bereitschaft für Beratung – etwa über eine KFZ-Versicherung – zu bezahlen ist gering. Manchmal würde sich niemand den Berater leisten können, wenn er nicht über die Provision bezahlt würde. Aber komplett intransparente Provisionen – dem Kunden gar nicht zu sagen, dass man eine bekommt – sind das größte Übel.

Die zweite große Frage im Zusammenhang mit Finanz und Ethik ist: Wofür wird mein angelegtes Geld verwendet – für die Rüstungsindustrie, Nuklearenergie, Ausbeutung? Viele Angebote bestehen aus einer Mischung aus verschiedensten Aktien und Fonds, die vielleicht wiederum einen Teil des Kapitals in andere Fonds investieren – wie kann man da als Laie den Überblick behalten?

Gar nicht. Ich finde, auch ein Finanzberater kann diese Verantwortung nicht vollständig übernehmen. Sie können auch als Konsument nicht die Verantwortung übernehmen, wenn Sie ein Joghurt kaufen, wo das wirklich herkommt. Das kann ich nur garantieren, wenn ich selber bei dem Produktionsprozess zusehe, also beim Bauern kaufe, den ich kenne, und wenn ich mir die Kuh jeden Tag anschaue. Gerade mit Ali Eralp habe ich viel diskutiert darüber, wie und ob man Finanzprodukte nach ethischen Regeln auswählen kann. Es gibt das europäische EMAS (Eco-Management and Audit Sceme), oder die Global Reporting Initiative. Reinhard Friesenbichler erstellt z.B. einen Index für das Investment in nachhaltige Konzerne, die Bank Schellhammer & Schattera bieten Ethikfonds an. Es gibt ganz viele, die sich in dem Bereich bemühen und, wie ich glaube, auch ganz gute Arbeit leisten. Aber die Konstruktionen, Mechanismen und Dynamiken sind die gleichen. Ich glaube, es gibt weder einen ethischen noch einen unethischen Finanzmarkt. Wenn du dein Geld dem Finanzmarkt gibst, gibst du es dem Finanzmarkt. Du könntest auch deine eigene Firma damit gründen, eine Wohnung kaufen oder es spenden. Ich glaube, da liegt die wirkliche Entscheidung.

Unabhängig von der Anlageform – wie kann ich einschätzen, ob ich eine gute Kostenberatung, eine gute Finanzberatung bekomme?

Ich kann den richtigen Berater – das gilt auch für Eheberatung, Lebensberatung – immer nur nach Vertrauen wählen. Und mit zunehmendem Alter gibt es auch Erfahrung und das Selbstvertrauen, den Richtigen auszuwählen. Ich kann mich darüber informieren, welche Wertehaltung steckt dahinter, was sind das für Leute, welche Ausbildung haben die, und ist das überhaupt realistisch, was die versprechen. Aber eine Garantie oder Checkliste für zwischenmenschliche Beziehung – und eine Beraterbeziehung ist nichts anderes – gibt es nicht. Am Ende des Tages muss ich vertrauen. Beim Vertrauen geht es vor allem um eine Frage, ob wir an das gleiche glauben. Man könnte sagen, wir haben keine Wirtschaftskrise, sondern eine Vertrauenskrise, und die ist eigentlich wiederum eine Ethikkrise. Denn wenn wir nicht mehr an die gleichen Werte glauben, haben wir kein Vertrauen mehr zueinander, und dann können wir auch keine Geschäfte mehr miteinander machen. Im Moment gibt es viel zu viele Gesetze, aber darunter liegend gibt es zunehmend keine gemeinsame Ethik mehr – darauf sollten wir uns konzentrieren.

Dieser Beitrag wurde 0 mal geteilt
 000

Der FiNUM.Newsletter.

Informationen, Tipps und Neuigkeiten

direkt in Ihren Posteingang.

Aktuelle Beiträge

18. Mai 2017

Vom Flüchtling zur erfolgreichen Berufskarriere dank MTOP

Das Social Business Unternehmen MTOP ermöglicht geflüchteten AkademikerInnen die Integration am österreichischen Arbeitsmarkt. „Ich habe in Syrien Wirtschaft studiert, sieben Jahre im Finanzmanagement einer Baufirma gearbeitet und musste 2015 aus meiner Heimat fliehen. Seither bin ich in Österreich. Hier gibt es viele Menschen, die glauben, dass Flüchtlinge nur zu Hause bleiben und von Sozialgeld leben wollen. Ich kenne viele Flüchtlinge, manche gut ausgebildet, andere weniger gut ausgebildet, aber alle wollen lernen und so schnell wie möglich arbeiten. Mein Ziel ist es, einen herausfordernden Job im Finanzmanagement zu finden, um meine Karriere fortzusetzen und mir ein neues Leben aufzubauen.“ Abdulmoty Alhalaby ist einer von tausenden Geflüchteten, die in den letzten Jahren nach Österreich gekommen sind und berufliche Qualifikationen sowie Berufs- und Lebenserfahrung mitbringen. Sie alle wollen in unserer Gesellschaft und am Arbeitsmarkt ankommen. „Nur einer von vier Geflüchteten findet binnen fünf Jahren einen Job in Europa“, zieht Thomas Liebig, Senior Migration Specialist der OECD, eine düstere Bilanz. Selbst für beruflich qualifizierte Asylberechtigte sehen die Job-Perspektiven schlecht aus. Auch Herr Alhalaby tut sich schwer, am österreichischen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. MORE THAN ONE PERSPECTIVE (MTOP) verbessert als junges Social Business die Job-Chancen geflüchteter AkademikerInnen und macht ihr Potenzial österreichischen Unternehmen zugänglich.  Die BewerberInnen werden nach bestandenem Auswahlverfahren im MTOP Associate Programm umfassend auf den Jobeinstieg in Österreich vorbereitet. MTOP Associates absolvieren in 200 Kursstunden ein berufsorientiertes und interkulturelles Training, arbeitsmarktspezifische Workshops sowie ein ganzheitliches Mentoring-Programm. MTOP knüpft Kontakte zu Unternehmen, vermittelt seine Associates als BewerberInnen und begleitet sie nach dem Berufseinstieg mit einem Coaching-Programm weiter. Damit soll sichergestellt werden, dass MTOP Associates ihr Potenzial in Unternehmen bestmöglich zur Entfaltung bringen und ihre Integration am Arbeitsmarkt gelingt. Für die österreichische Gesellschaft und für die Community der Geflüchteten sind MTOP-Alumnis Vorbilder und Botschafter gelungener Arbeitsmarktintegration. „MTOP hilft zahlreiche qualifizierte Menschen in die Wirtschaft zu vermitteln. Menschen, die an dieser Initiative teilnehmen, können ihre mitgebrachten Potenziale optimal in Österreich einbringen“, sagt Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz über MTOP. Abdulmoty Alhalaby ist einer von zehn Associates, die das erste MTOP Associate Programm von Oktober 2016 bis Jänner 2017 erfolgreich absolviert haben. Sieben der zehn Associates sind bereits am Arbeitsmarkt angekommen und freuen sich über einen Job oder ein Praktikum. Herr Alhalaby ist jetzt im Finanzbereich eines führenden Bauunternehmens tätig. Seit März 2017 läuft das zweite MTOP Associate Programm. 20 Associates bereiten sich mit viel Engagement auf ihren Arbeitsmarkteinstieg vor! Hier gibt es einen bewegten Eindruck von MTOP: https://vimeo.com/204157118 Nähere Informationen gibt es unter www.mtop.at Eine Kooperation mit MTOP ist für Ihr Unternehmen spannend? Melden Sie sich einfach bei lisa-maria.sommer@mtop.at. Bildung ist Rohstoff – FiNUM unterstützt MTOP Ein neues Zuhause ist ein wahrer Glücksmoment! FiNUM nimmt diesen Glücksmoment zum Anlass und spendet bei jeder neuen Immobilienfinanzierung 60 € an MTOP. „Wir fördern damit die Weiterbildung geflüchteter Akademiker, sodass sie ebenfalls ein neues Zuhause in Österreich finden können.“ – Ali Eralp, Vorstand FiNUM.Private Finance AG
18. Mai 2017

„Es gibt weder einen ethischen noch einen unethischen Finanzmarkt“ – Interview mit Georg Greutter

Georg Greutter ist Gründer und Geschäftsführer der Kostenberatungsfirma FAIRMONEY sowie Vorstand des Österreichischen Netzwerks Wirtschaftsethik. Mit FiNUM sprach er über Ethik in der Finanzberatung und warum gemeinsame Werte wichtig fürs Wirtschaften sind. Was ist das Österreichische Netzwerk Wirtschaftsethik (OeNWE), und warum braucht es so etwas? Wir sind ein Netzwerk aus Unternehmern. Wir sind ein österreichischer Verein sowie Teil des Europäischen Netzwerks für Wirtschaftsethik. Das Netzwerk ist aus dem Spannungsfeld entstanden, dass es einerseits Betriebswirtschaft oder Volkswirtschaft als Disziplin gibt, und andererseits Soziologie, Moraltheologie, Philosophie und Ethik. Irgendwann hat man festgestellt, dass man nicht gut wirtschaften kann, wenn man sich nicht auf ein paar Werte einigt. Es muss also auch eine Wirtschaftsethik geben. Die Netzwerke in anderen Ländern sind aus den Universitäten heraus entstanden. In Österreich haben wir uns als Unternehmernetzwerk entwickelt und möchten es auch bleiben. In Deutschland etwa besteht das Netzwerk vor allem aus Universitätsprofessoren und Führungskräften von Konzernen. Unsere Interpretation ist aber, dass die unternehmerische Ethik vom Inhaber ausgeht und nicht von einem angestellten Geschäftsführer oder einem politischen Funktionär, und auch nicht von einem Wirtschaftsprofessor. Der Nukleus der Wirtschaftsethik ist die Unternehmerpersönlichkeit. Ethisches Wirtschaften kann auf sehr unterschiedliche Weise interpretiert werden. Welche Auffassung davon hat das OeNWE? Wir sind nicht die Inhaber einer Ethik. Sich selbst als Richter über ethisch und unethisch zu positionieren halten wir für unangemessen. Wenn das Ganze funktionieren soll, kann man nur die verschiedenen Wertekonzepte immer wieder miteinander diskutieren und sich aus dem Diskurs eine ethische Haltung aneignen. So ist auch unser Buch „Die Unternehmerethik“ entstanden: Wir haben einen Text geschrieben, an 200 Unternehmer geschickt, deren Anmerkungen verarbeitet und diesen Vorgang wiederholt. Und das macht unser Netzwerk seit acht Jahren. Wir laden immer wieder zu Diskussionen ein, bringen Vortragende zusammen, verschicken Stellungnahmen und Kommentare zu politischen Ideen, damit die Diskussion zu Werten in der Wirtschaft aufrecht bleibt. Gibt es Punkte, wo sich alle einig sind? Wir haben uns nach langer Diskussion auf fünf einfache Regeln für das OeNWE geeinigt. Erstens, ich nehme keinen Auftrag an, den ich nicht kann – ich bin authentisch in meiner Kompetenz. Zweitens, ich stehle kein geistiges Eigentum. Das klingt so trivial, aber das passiert jeden Tag. Das dritte ist, ich stelle schon bei der Beauftragung von jemandem sicher, dass ich die Leistung bezahlen kann. Und wenn jemand eine korrekte Rechnung stellt, zahle ich sie auch pünktlich. Ganz wichtig: Unsere Interpretation von einem guten Geschäft ist, dass es nicht nur für mich gut ist, sondern für meinen Geschäftspartner auch. Es muss Verantwortung gegenüber allen Betroffenen geben. Das steht im Gegensatz zur amerikanischen Wirtschaftsethik und dem Konzept von Shareholder-Value, der Idee, dass alle ihren Vorteil optimieren und dann geht es allen gut – das glauben wir nicht. Und der fünfte Grundsatz ist eine leistungsgerechte Entlohnung. Wie schwierig ist es, diese Grundsätze in der Realität umzusetzen? Gerade z.B. die fristgerechte Bezahlung von Rechnungen ist ja keine Selbstverständlichkeit. Ich sage schon beim Kennenlernen, dass mir das wichtig ist. Ich liefere Leistung pünktlich, ich bezahle meine Mitarbeiter – und möchte auch pünktlich bezahlt werden.
18. Mai 2017

Ladies first

Unsere Beraterin Petra Schuh-Wendl unterstützt vor allem Frauen dabei eventuelle Berührungsängste zum Thema Geld abzulegen und ein gutes Verhältnis zu Finanzen zu entwickeln, egal in welcher Lebenssituation sie sich gerade befinden. Im Newsletter stellt sie sich und ihren Blog vor. Das Thema Geld hat mich immer schon fasziniert. Ich habe Betriebswirtschaft studiert und in der Privatwirtschaft gearbeitet, bevor ich 2007 als Trainee bei einer Bank anfing. Da wusste ich: Das ist meine Branche. Seitdem bin ich Beraterin. Nach dem Abschluss meiner Ausbildung zum Geld- und Wertcoach kam das Coaching hinzu. Nun biete ich beides an: Finanzberatung und Coaching. Und seit 2014 lasse ich mich zur CFP-Expertin (Certified Financial Planner) ausbilden. Für mich ist die Finanzwelt alles andere als ein trockenes Feld, in dem es nur um Zahlen geht. Denn: Es geht um Menschen, ihre Geschichten, ihre Höhen und Tiefen. Geld ist ein Thema, das sich durch das ganze Leben zieht und oft zu viel Zeit und Energie kostet – egal ob man zu wenig davon hat oder sich zu sehr darüber definiert. Einen entspannten Umgang mit Geld, das wünsche ich meinen KundInnen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie viel Lebensqualität und Freiheit es bringen kann, wenn das Verhältnis zu den Finanzen ein gutes ist. Zusätzlich zur kostenfreien Finanzplanung auch ein Coaching anzubieten, scheint mir nur logisch, wenn man – so wie ich – einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt. Warum „Ladies first“? Frauen verdienen weniger als Männer, viele tendieren dazu, sich zu unterschätzen und wenige haben Freude daran, sich mit dem Thema Geld auseinanderzusetzen – diese Erfahrungen habe ich sehr oft gemacht. Das soll sich ändern. Ich unterstütze Frauen dabei, eventuelle Berührungsängste zum Thema Geld abzulegen und ein gutes Verhältnis zu ihren Finanzen zu entwickeln, egal in welcher Lebenssituation sie sich gerade befinden. Lesen Sie mehr unter www.esgehtumsgeld.at!
18. Mai 2017

Rot-weiß-roter Teppich für Businesspartner – Interview mit Botschafter Johann Brieger

Johann Brieger leitet die junge Abteilung für Unternehmensservice im Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres (BMEIA). Was dieses Service beinhaltet, wohin österreichische Firmen ihre Flügel ausstrecken und was internationale Führungskräfte noch nicht über Österreich wissen, erzählt er im Gespräch mit FiNUM. Die Abteilung für Unternehmensservice gibt es seit 2015. Hat Außenwirtschaft in den letzten Jahren generell eine höhere Priorität im BMEIA bekommen? Wirtschaft war immer ein Kernpunkt des Aufgabenspektrums. Was jetzt neu mit Minister Kurz ist, ist der wirklich starke Fokus darauf, und der wird auch in den Außenstellen mehr wahrgenommen. Sebastian Kurz hat großes Interesse an wirtschaftlichen Vorgängen, was auch naheliegend ist in einem Land, das so international orientiert ist wie Österreich. Wir sind eine der offensten Volkswirtschaften der Welt. Fast sechs von zehn Euros werden im Export erwirtschaftet. Das ist anders bei großen Märkten wie den USA, die einen Außenhandelsanteil von vielleicht zehn Prozent haben. Für Österreich ist Außenwirtschaft einfach erheblich. Und da können wir als Außenministerium – mit einem Vertretungsnetz von 100 Botschaften – eine zentrale Rolle spielen. Das ist jetzt strukturell mit der Gründung dieser Abteilung, wo all die Unternehmensinteressen gebündelt werden, nachvollzogen worden. Werden viele der Aufgaben des Unternehmensservice im Ausland nicht schon von der Wirtschaftskammer wahrgenommen? Wir haben eine relativ gute Abgrenzung, wer was macht. Wir sind ein kleines Land und können uns einfach nicht leisten, an einem Ort zwei Spitzenvertreter zu haben, die in unterschiedliche Richtungen schauen. Die Freunde von der Wirtschaftskammer, die über das Netz der Außenwirtschaft in etwa gleich viele Außenstellen haben wie wir, kümmern sich um das tägliche Geschäft der Unternehmen. Wenn es dann um Probleme geht, wo Wirtschaft auf politischer Ebene eine Intervention oder Unterstützung braucht, dann kommt der Mehrwert der Botschafter zu tragen. Draußen kooperieren Wirtschaftsdelegierte und Botschaften eng, und so kann man ein perfektes Service anbieten. Ein Vorteil ist, dass wir an unterschiedlichen Standorten aktiv sind. Gemeinsam mit der Außenwirtschaft haben wir ein sehr gutes Netzwerk an Exportunterstützung für unsere Wirtschaft, um das Österreich von vielen Ländern beneidet wird. Und was ist seit Gründung des Unternehmensservice passiert? In den letzten zwei Jahren wurde im Bereich von Visa für Wirtschaftstreibende ein großer Schritt nach vorne gemacht – der „Red-White-Red Carpet“ wird als Angebot für Wirtschaftspartner österreichischer Unternehmen ausgerollt. Als Bona-Fide-Partner eingestufte Geschäftstreibende aus Thailand, Indien oder Russland bekommen rascher Termine für Visa, die Abwicklung geht schneller. Das Modell gilt mittlerweile in sieben Ländern. Wir bauen auch sukzessive unser Netzwerk für Visaannahmestellen aus. Stellen Sie sich vor, Sie brauchen in der Provinz in China ein Visum – da ist es wichtig, dass die nächste Annahmestelle nicht 1500 km entfernt ist. Mit 310 Annahmestellen sind wir Europameister und sehr nahe am Kunden. Das ist auch für die Tourismuswirtschaft wichtig. Eine andere Neuerung ist das Format „Business meets Diplomacy“ als Plattform zur Vernetzung von Wirtschaft und Diplomatie. Wir laden einmal im Quartal österreichische Spitzenunternehmen ein, um vor allen in Österreich akkreditierten Botschaftern zu sprechen. Hier können sie Probleme präsentieren, ihre Sorgen in manchen Märkten artikulieren und Verbindungen zu Botschaftern knüpfen. Wir