Rezession oder doch nicht?

Michael ScherlingBy Michael Scherling 2 Monaten ago

Noch vor einem Jahr herrschte Hochkonjunktur — in Deutschland waren die Holzpaletten so knapp, dass es Wartezeiten gab, bis die Firmen Ihre Waren transportieren konnten. Durch Handelskrieg und das natürlich Auf und Ab der Konjunktur hat sich das Bild sehr schnell gewandelt. Die Zahlen bekommt man erst im Nachhinein, aber es würde mich nicht wundern, wenn die Unternehmen (speziell in Europa) bereits in einer Rezession steckten.

Unsicherheit hält Firmen von Investitionen ab und internationale Warenströme sind durch die Handelskonflikte gestört.

Dennoch ist eine große Krise wie 2008 weit und breit nicht zu sehen. Es gibt auch einen einfachen Grund dafür: Wirklich schlimme Krisen gehen immer von einer Überschuldung der Privathaushalte aus. Das war in den 30er Jahren so und auch 2008, als überschuldete Immobilienbesitzer in USA, Spanien, Irland etc. kein Geld mehr für den Konsum hatten und die Abwärtsspirale schwer zu durchbrechen war.

Aktuell sind nicht nur in den USA die Lohnsteigerungen mit rund 3% so hoch wie schon viele Jahre nicht mehr, sondern auch in vielen Ländern Europas. Mehr Einkommen der Privaten verhindert eine schlimme Krise, weil dadurch die Firmen mehr verkaufen können und der Staat weiterhin schöne Steuereinnahmen hat. Wenn 2 von 3 Akteuren einer Volkswirtschaft (Private, Staat und Unternehmen) in guter Verfassung sind, sinkt das Risiko einer Krise.

Zusätzlich sind durch die niedrigen Zinsen auch die bestehenden Schulden sehr gut tragbar. Der Anteil der Kreditzahlungen am verfügbaren Einkommen ist in den meisten Ländern auf einem Rekordtief.

Auch wenn es den Unternehmen derzeit schlecht geht, ist eine schlimme Krise nicht absehbar.
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Schon beim Lesen meines ersten Ökonomie-Buchs vor über 30 Jahren war mir klar, dass ich Volkswirtschaft studieren würde. Diese Wahl hat sich für meinen Beruf als perfekt herausgestellt: Speziell während und auch nach Finanzkrisen ist es enorm wichtig, die Zusammenhänge zu verstehen, um richtige Empfehlungen geben zu können. Das Wissen über Immobilienmärkte, Zinsen, Inflation, Währungen, Krisen etc. hilft mir in der täglichen Beratung meiner Kunden sehr.